Das Digitale Didaktische Design (D3) bietet Orientierung für die Gestaltung und iterative Weiterentwicklung von Lerngelegenheiten im virtuellen Lehr- und Lernraum.

Das Digitale Didaktische Design versteht Lernorientierung als Leitprinzip für die Gestaltung digital gestützter Lerngelegenheiten. Im Zentrum steht die Frage, wie die Bedingungen des Lernens im virtuellen Raum so gestaltet werden können, dass sie pädagogisch-didaktische Ziele sinnvoll unterstützen. Digitale Didaktische Designs strukturieren dazu zentrale Elemente einer Lerngelegenheit und setzen sie über Planung, Durchführung und Reflexion hinweg in Beziehung. Auf diese Weise entsteht ein kohärenter Gestaltungsrahmen, der Lehrpersonen dabei unterstützt, Lernprozesse im virtuellen Raum gezielt zu initiieren, zu begleiten und weiterzuentwickeln.
In Anlehnung an Jahnke (2015) verwenden wir den Begriff Digitales Didaktisches Design und entwickeln ihn aus der Perspektive einer systemtheoretischen Medientheorie nach Luhmann (1997) weiter. Zur didaktischen Einordnung greifen wir auf den von Baumgartner (2011) vorgeschlagenen Orientierungsrahmen zurück. Auf dieser Grundlage beschreiben wir, wie Lerngelegenheiten im virtuellen Lehr- und Lernraum im Sinne einer Allgemeinen Digitalen Didaktik gestaltet werden können.
Was umfasst ein Digitales Didaktisches Design?
Die didaktische Gestaltung einer Lerngelegenheit bezieht sich auf die drei Ebenen der Makro-, Meso- und Mikrodidaktik. Die ersten beiden Ebenen betreffen institutionelle Rahmenbedingungen und curriculare Vorgaben, während sich die Mikrodidaktik auf die Gestaltung didaktischer Szenarien und Interaktionen konzentriert.
Laut Baumgartner bezeichnet ein didaktisches Szenario eine strukturierte Beschreibung von Lehr- und Lernarrangements, die typische Muster des Lehrens und Lernens beschreibt. Didaktische Szenarien ordnen dabei nicht einzelne Methoden, sondern wiederkehrende Formen der Gestaltung von Lerngelegenheiten, einschliesslich Zielsetzungen, Lernaktivitäten und Formen der Beurteilung. Sie dienen als Orientierungsrahmen, um didaktische Entscheidungen zu planen, zu vergleichen und zu reflektieren, ohne diese normativ festzulegen.
Im Kontext des Digitalen Didaktischen Designs gehen wir von vier didaktischen Basisszenarien aus. Diese beschreiben, wie digitale Medien die Bedingungen des Lehrens und Lernens prägen und welche Gestaltungslogiken daraus entstehen. Als Orientierungsangebote unterstützen sie Lehrpersonen dabei, Lerngelegenheiten im virtuellen Lehr- und Lernraum bewusst, kohärent und situationsangemessen zu gestalten.
Im Kontext des Digitalen Didaktischen Designs wird das Didaktische Dreieck neu interpretiert. Digitale Medien verändern die Bedingungen didaktischer Interaktion, indem sie neue Formen der Kommunikation, der zeitlichen und räumlichen Organisation sowie der sozialen Bezugnahme ermöglichen. Das Digitale Didaktische Dreieck dient dabei als Orientierungshilfe für die Gestaltung von Lerngelegenheiten im virtuellen Lehr- und Lernraum.
Das didaktische Szenario und die didaktische Interaktion bilden die mikrodidaktische Einheit des Digitalen Didaktischen Designs. Sie machen sichtbar, wie Lehr- und Lernprozesse im virtuellen Lehr- und Lernraum unter Berücksichtigung struktureller, kultureller und medialer Bedingungen gestaltet werden können.
Die folgende Grafik ordnet diese mikrodidaktische Perspektive des Digitalen Didaktischen Designs in einen übergeordneten Zusammenhang ein. Sie verdeutlicht, wie didaktische Entscheidungen auf der Ebene von Zielen, Aktivitäten und Beurteilung mit grundlegenden sachlichen, raumzeitlichen und sozialen Strukturen von Lerngelegenheiten verknüpft sind und wie diese Einbettung durch institutionelle Rahmenbedingungen und curriculare Vorgaben geprägt wird.

Didaktische Ebenen des Digitalen Didaktischen Designs.
Eigene Darstellung, Dr. Christian Schenkel, University of Teacher Education
Das Digitale Didaktische Design umfasst damit nicht einzelne Methoden oder Medien, sondern einen zusammenhängenden Gestaltungsraum, der didaktische Entscheidungen über verschiedene Ebenen hinweg aufeinander bezieht und für digital gestütztes Lehren und Lernen nutzbar macht.
Elemente eines Digitalen Didaktischen Designs
Im Folgenden werden die sechs zentralen Elemente des Digitalen Didaktischen Designs benannt und kurz erläutert. Ihre konkrete Ausgestaltung orientiert sich an unterschiedlichen Kulturaspekten des didaktischen Selbstverständnisses.
Didaktisches Szenario
1. Kompetenzziele
Die fachlichen und überfachlichen Kompetenzziele leiten sich aus den curricularen Vorgaben ab und konkretisieren sich durch die Ziel- und Stoffkultur im Thema sowie im Lerngegenstand der didaktischen Interaktion im virtuellen Lehr- und Lernraum.
2. Lernaktivitäten
Die Lernaktivitäten im virtuellen Lehr- und Lernraum leiten sich aus den Kompetenzzielen ab und konkretisieren sich durch die Lehr- und Lernkultur in einer strukturierten Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Lerngegenstand der didaktischen Interaktion.
3. Assessment
Das Assessment leitet sich aus den Kompetenzzielen ab und konkretisiert sich durch die Dialog- und Unterstützungskultur in der didaktischen Interaktion als Formen der Rückmeldung, Beurteilung und Reflexion im virtuellen Lehr- und Lernraum.
Didaktische Interaktion
4. Sachdimension
Die Sachdimension bestimmt die gemeinsamen Erwartungen an das Thema und den Lerngegenstand. Diese Erwartungen orientieren sich an der Ziel- und Stoffkultur der didaktischen Interaktion im virtuellen Lehr- und Lernraum.
5. Raumzeitdimension
Die Raumzeitdimension bestimmt die gemeinsamen Erwartungen an Ort, Zeit und Dauer didaktischer Interaktion. Diese Erwartungen orientieren sich an der Lehr- und Lernkultur der didaktischen Interaktion im virtuellen Lehr- und Lernraum.
6. Sozialdimension
Die Sozialdimension bestimmt die gemeinsamen Erwartungen an Formen der Beteiligung, der Zusammenarbeit und der Rollen in der didaktischen Interaktion. Diese Erwartungen orientieren sich an der Dialog- und Unterstützungskultur der didaktischen Interaktion im virtuellen Lehr- und Lernraum.
Digitalität und virtueller Lehr- und Lernraum
Das Medium der Digitalität eröffnet im Vergleich zu analogen Medien wie Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Massenmedien einen neuen kommunikativen Möglichkeitsraum (Virtualität). Dieser ermöglicht neue Formen der didaktischen Kommunikation, der Darstellung von Lerngegenständen, der zeitlichen und räumlichen Organisation des Lehrens und Lernens sowie der sozialen Bezugnahme, die über die Bedingungen präsenter Interaktion hinausgehen. Im Digitalen Didaktischen Design werden digitale Medien daher nicht als Werkzeuge verstanden, sondern als gestaltbare Bedingungen didaktischer Interaktion. Ihre Bedeutung erschliesst sich erst im Zusammenspiel mit didaktischen Szenarien, Interaktionen und kulturellen Orientierungsmustern.
Didaktik als Designprozess
Das Digitale Didaktische Design versteht sich nicht als einmalige Festlegung, sondern als iterativer Gestaltungsprozess. Didaktische Szenarien und didaktische Interaktionen werden geplant, erprobt, reflektiert und weiterentwickelt. Rückmeldungen aus dem Lehr- und Lernprozess sowie veränderte Rahmenbedingungen fliessen dabei fortlaufend in die Gestaltung ein. Design bedeutet in diesem Sinne, didaktische Entscheidungen bewusst zu treffen und im Verlauf des Lehrens und Lernens kontinuierlich zu überprüfen.